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WIESENTFELSERSTRASSE

München

Ein aus den 60er Jahrenden stammendes Quartier im Münchner Westen bekommt eine neue Mitte. Der damalige städtebauliche Ansatz einer lockeren, durchgrünten Bebauung wird weiterführt, in die heutige Zeit übersetzt und mit öffentlichen Nutzungen um einen Quartiersplatz herum angereichert.

 

Bauherr: GWG
Nutzung: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und soziale Infrastruktur
Themen: Nachverdichtung eines bestehenden Quartiers
Status: Wettbewerb, 1.Preis
Zusammenarbeit mit: MLA+ Berlin und Rotterdam, Treibhaus Hamburg
 

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Beurteilung durch das Preisgericht

Die stadträumliche Setzung ist bei diesem Entwurf hervorragend gelungen.
Inbesondere die Maßstäblichkeit und die starke Ensemblewirkung im bestehenden Umfeld zeichnen diesen Entwurf aus. Er besitzt die Fähigkeit, inmitten der Zeilen- und Punktbebauung der 60 er Jahre eine eigene räumliche Kraft zu entwickeln. Der Supermarkt liegt zentral am Wasserspielplatz mit einem Sockelgeschoss mit 1-3 geschossigen Aufbauten. Der sog. Wasserspielplatz, vermutlich der Hauptplatz im Realisierungsteil, ist kompakt und räumlich gut gefasst, er bezieht sich auf den Pocketpark im Bereich des Ideenteils. Die Kirche und deren sog. Stadtbalkon im Osten des Gebäudes wird durch den Platz aktiviert und findet seine gelungene Entsprechung in der differenzierten räumlichen Situation im Realisierungsteil. Der wichtige Mai-baum ist nicht eingebunden.

Drei weitere quadratische Kuben sind räumlich geschickt um kleinere und größere Platzbereiche platziert. Diese eignen sich gut für eine weitere Differenzierung zwischen öffentlichen, halböffentlichen und privaten Freiräumen. Eine weitere Vertiefung des Entwurfes ist allerdings dafür erforderlich.

Besonders positiv bewertet wird, dass durch das freistehende Gebäude und dessen öffentliche Nutzungen die Ecke Wiesentfelserstraße/ Riesenburgstraße belebt und betont wird. Hier ist auch der U Bahn Ausgang richtig platziert.

Die Wohnungsgrundrisse sind grundsätzlich differenziert und gut ausgearbeitet und besitzen großes Potenzial für qualitätvollen Wohnungsbau. Trotzdem sind etliche Wohnungsgrundrisse sind noch zu überarbeiten, da Wohnflächenobergrenzen überschritten sind. Der Entwurf hat zugleich die höchsten Wohnraumfläche. (...)

Die Nutzungen sind im Bezug auf die Schutzbedürftigkeit ausgezeichnet situiert. Die abgeschlossene Funktionstrennung in den einzelnen 4 Gebäuden in Wohnen, Familienzentrum und Dienstleistung ist schlüssig und wird als großer Vorteil gesehen, sowohl für den Vermieter als auch für den Mieter. Das Familienzentrum hat damit die Chance ein eigenes Gebäude zu nutzen.

(...)

Zwischen den Baukörpern entstehen differenzierte, stimmig dimensionierte Freiflächen unterschiedlicher Qualitäten. Der Freibereich der Kindertagesstätte liegt geschützt von der Straße abgewandt im Norden des Gebäudes und schließt an die Parklandschaft der Wohnbebauung an. Auf der Dachfläche der Gewerbeeinheit liegen private und gemeinschaftliche Freiflächen. Die Platzfläche im Erdgeschoss spannt sich zwischen den Eingängen von Familienzentrum, Gewerbe, Dienstleistung und Zugang zum Nahverkehr auf und bildet die Verbindung zwischen Riesenburgstr. und Wiesentfelser Str. Der räumlich klar gefasste und gut proportionierte nördliche, urbanere Quartiersplatz geht nach Süden in einen grünen Stadtteilpark über. Die Querung der Wiesentfelser Str. erfolgt mittig durch einen Fußgängerüberweg. Der große überdachte U-Bahn-Abgang mit Fahrradabstellanlage wirkt an dieser Stelle eher trennend als verbindend und könnte weniger zentral angeordnet werden. Die neue Baumreihe entlang der Wiesentfelser Str. bildet einen wichtigen Bei-trag zur Umgestaltung in eine grüne Quartierstraße und sollte auch im Bereich der sonst eher zurückhaltend begrünten Platzfläche fortgeführt, bzw. durch Baumgruppen ergänzt werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und der sommerlichen Hitzeentwicklung entgegenzuwirken.